„Datenvielfalt: Potenziale und Herausforderungen“. Bericht zur 2. Netzwerk-Tagung im April 2019 in Salzburg

Datenvielfalt kann neue Perspektiven eröffnen, Fragestellungen erweitern und Forschungsergebnisse aufwerten. Gerade in Hinblick auf interdisziplinär angelegte Projekte wird Datenvielfalt als eine Dimension gesehen, die das Forschungsprojekt bereichert. Trotz dieser Potenziale stellt Datenvielfalt jedoch auch eine Herausforderung dar, der viele Forscherinnen und Forscher oft lieber aus dem Weg gehen. Denn wie soll das Material in seiner Vielfältigkeit systematisch erhoben, gespeichert und archiviert sowie intersubjektiv nachvollziehbar analysiert werden? Datenvielfalt erfordert jedenfalls einen differenzierten, vielleicht auch kreativen und innovativen Umgang statt eine ‚one-size-fits-all‘-Herangehensweise. Um die mit Datenvielfalt verbundenen Potenziale und Herausforderungen zu diskutieren, trafen sich 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom 24. bis zum 26. April 2019 zur 2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg.

Nach einer Begrüßung und einführenden Worten von Christine Lohmeier (Paris Lodron Universität Salzburg) und Thomas Wiedemann (Ludwig-Maximilians-Universität München) machte Katharina Lobinger (USI Università della Svizzera italiana) mit ihrer Keynote den Auftakt zur Tagung. Sie widmete sich dem Thema Datenvielfalt in der qualitativen Multimethoden-Forschung und stellte anhand von Beispielen aus ihrem aktuellen Projekt „Visualized relationships – functions and problems“ Überlegungen zur Integration verbaler, visueller und mehrsprachiger Daten an. Das Projekt behandelt die Bedeutung visueller Kommunikation in dyadischen Liebes- oder Freundschaftsbeziehungen und verwendet dafür ein Forschungsdesign, das Einzel- und Paarinterviews, Bildbesprechungen und Netzwerkzeichnungen verbindet. Zunächst widmete sich Katharina Lobinger der Schwierigkeit, dass verschiedene Forschungsmethoden verschiedene Aspekte fokussieren und somit zu unterschiedlichen Antworten führen dürften. Zwar könnten Forschungsfragen dadurch vielschichtiger beantwortet werden, doch die Komplexität des Forschungsdesigns steige und gerade im Hinblick auf die Einbindung visueller Methoden müssten forschungsethische Herausforderungen gelöst werden. Lobinger arbeitete in ihrem Vortrag neben den Herausforderungen auch Potenziale dieser multimethodischen Forschungsweise heraus, die sich aus der Integration visueller und verbaler Daten ergeben, und stellte fest, dass eben diese komplexen Daten die Chance eröffneten, subjektive Sinnstrukturen nachzuvollziehen.

Das erste Panel zur Bedeutung von Datenvielfalt aus theoretischer und historischer Perspektive eröffneten Natalie Berner und Michael Meyen (LMU München) mit einem Vortrag zu „Daten- und Methodenvielfalt in der kommunikationswissenschaftlichen Diskursanalyse – Umgang und Operationalisierung am Beispiel Mutterdiskurs“. Im Fokus ihres Projekts steht die Frage nach der Konstruktion von Mutter und Mutterschaft im gesellschaftlichen Diskurs und deren Einfluss auf den Alltagsdiskurs. Berner stellte die Vielzahl an Daten vor, die für diese Fragestellung ausgewertet wurden: Zeitungsartikel, Werbespots, Parteiprogramme, Interviews, Ratgeberliteratur und viele mehr. Um Struktur und Lesbarkeit in diese Datenmenge zu integrieren, verwenden die beiden ein Analyseraster, auf das Berner im Rahmen ihrer Präsentation näher einging. Sie widmete sich auch den Herausforderungen bei der Auswertung eines solchen heterogenen Datenmaterials. Im Anschluss gaben Burkhard Michel und Max Ruppert (Hochschule der Medien Stuttgart) mit ihrem Vortrag zu „Vielfalt der Daten, Einheit der Grundlagen“ Einblicke in das subjektive Erleben von Berufskraftfahrerinnen und -kraftfahrern. Ziel ihrer Forschung sind eine ethnografische Analyse der beruflichen Lebenswelt und das Herausarbeiten von Einstellungen zu Entwicklungen im autonomen Fahren. Als interdisziplinäres Forschungsteam mit Beteiligung aus der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft entstand ein Projekt, das einerseits dem User-Experience-Ansatz folgte und andererseits das Steuerhaus des LKWs als mediatisierte Welt betrachtete. Mit theoretischem Bezug zur praxeologischen Wissenssoziologie ergaben sich unterschiedliche Forschungsmethoden und Heterogenität im Datenmaterial, die zu einem großen Gesamtbild beitrugen. Michel und Ruppert gingen dazu beispielhaft auf die Bereiche Verantwortung und Habitus ein und zeigten, dass der User-Experience-Ansatz um ethnografische Elemente erweitert werden kann. Lisa Schwaiger (Universität Zürich) plädierte im folgenden Beitrag („Social Network als empirischer Wirklichkeitsausschnitt für die qualitative Sozialforschung“) für eine stärkere Interpretationsleistung und einen Theoriebezug bei der Auswertung von Big Data. Zu Beginn ihres Vortrags ging sie zunächst auf das steigende Interesse an Big Data ein. Große Datensätze, beispielsweise von Twitter, könnten über API-Schnittstellen einfach heruntergeladen werden. Schwaiger merkte allerdings ein Misstrauen gegenüber solchen Datensätzen an. Sie bildeten oft nur Ausschnitte ab, und Schwaiger stellte den Trend fest, durch Big Data nicht mehr theoriebasiert Hypothesen abzuleiten, da es mittlerweile möglich sei, mit quantitativen Methoden aus Vollerhebungen Muster in Daten abzuleiten. Genauer sah sie die Schwierigkeit einer begrenzten Aussagekraft quantitativer Daten, wenn die Auswertung nicht auf Grundlage von Theorie geschehe. Daher ging sie auf die Integration qualitativer Methoden in der Auswertung von Big Data ein und stellte dazu ihr Dissertationsprojekt zur Netzwerkforschung vor, in dem sie quantitative und qualitative Methoden vereint, um durch Twitter-Daten alternative, oft rechtspopulistische Nachrichtenmacher und deren Vernetzung untereinander abzubilden. Zudem hielt sie fest, qualitative Methoden füllten quantitativ erhobene Daten oft erst mit Inhalt und Big Data müssten nicht konträr zu qualitativen Methoden gesehen werden. Vielmehr seien beide Stränge als einander ergänzend zu verstehen. Den Schlusspunkt dieses Panels setzte Erik Koenen (Universität Bremen). In seinem Vortrag („Daten- und Quellenvielfalt in komplexen kommunikationshistorischen Forschungskontexten“) stellte er das DFG-Projekt „Transnationale Kommunikationsgeschichte des Völkerbundes in der Zwischenkriegszeit (1920-1938). Institutions-, Professions- und Öffentlichkeitssphäre des Völkerbundjournalismus um Mehrländervergleich“ vor. Koenens Beitrag fokussierte Quellenvielfalt als Chance und Herausforderung im Forschungsalltag und erläuterte zunächst, wie Daten aus Quellen generiert werden können. Die im Rahmen des Projekts genutzten Quellen (Journale, Dokumente und Akten) böten, so Koenen, detaillierte Erkenntnisse im Zeitverlauf und besäßen das Potenzial, vergleichend und zusammenfassend soziale Verbindungen zu rekonstruieren. So würden aus Berichterstattungen zum Völkerbund beispielsweise Daten zu Vernetzungen einzelner Beteiligten gewonnen und eröffneten Chancen für Netzwerkanalysen oder könnten Einstiegspunkte für die Erforschung ausgewählter Biografien sein.

Das zweite Panel war dem Umgang mit heterogenem Forschungsmaterial und Quellenreflexion gewidmet. Den Einstieg leistete Rieke Böhling (Universität Bremen), indem sie über „Vielfalt von Daten in der Konstruktion von Erinnerung“ sprach und Überlegungen aus einer Studie zu (medien-)vermittelten Erinnerungen an Migrationsgeschichten in Familien anstellte. Böhling sammelte Daten, indem sie Interviews führte und ethnografische Elemente aus den Lebenswelten im Forschungsfeld dokumentierte. Außerdem beschrieb sie die Bedeutung eines Forschungstagebuchs für ihre Arbeit und ging auf die Herausforderungen von Übersetzungen unterschiedlicher Sprachen im Forschungsprozess ein. Im nächsten Beitrag beschäftigten sich Christina Ortner, Vera Eberdorfer und Marie Kaltenegger (Fachhochschule Oberösterreich) mit der Frage „Datentriangulation ja, aber wie?“ und debattierten die „Herausforderungen vielfältiger Datenbestände am Beispiel einer Studie zu Recherchestrategien Jugendlicher“. Entsprechend dem Prinzip der Triangulation wurden hierbei mehrere Erhebungsmethoden genutzt: Fragebögen, Aufzeichnungen der Handynutzung, Beobachtungsprotokolle und Leitfadeninterviews. Die Forscherinnen zeichneten die Schwierigkeit nach, verschiedene Datensorten, die in unterschiedlichen Formaten vorliegen, systematisch so aufzuarbeiten, dass sie zueinander in Bezug gesetzt und schlussendlich untersucht werden können. Eine weitere Herausforderung erkannten sie in der Übertragung von Forschungsaufgaben an Externe, denn Teile der Datenerhebung wurden von vier Jugendinformationsstellen durchgeführt und auch das Datenmanagement unterlag externen Institutionen. Ortner, Eberdorfer und Kaltenegger unterstrichen die Herausforderung, ein Team für die Feldarbeit zu koordinieren und zu schulen sowie die Datenschutz- und Privatsphäre-Richtlinien (etwa externer Transkriptions-Agenturen) einheitlich mit jenen aller anderen beteiligten Institutionen und Probandinnen und Probanden zu gestalten. Im darauf folgenden Vortrag widmete sich Janina Zölch (Universität Hamburg) der „Kombination von Daten und dem Vorgehen bei der ‚Inbezugsetzung‘ von Generationen in der qualitativen intergenerationalen (Armuts-)Forschung“. Sie verwies dafür auf ein aktuelles DFG-Projekt, das verschiedene Erhebungsmethoden kombiniert, nämlich Familiengespräche und biografisch narrative Einzelinterviews verschiedener Generationen. Zölch zeigte auf, wie Eltern- und Kinderinterviews methodisch aufeinander bezogen und intergenerational im Kontext zur Armut rekonstruiert wurden, und verdeutlichte dies anhand eines Beispiels. Sie arbeitete heraus, dass Armut innerhalb von Familien sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann und sich dadurch unterschiedliche Bewältigungsstrategien entwickeln. Im Anschluss sprach Ekkehard Knopke (Bauhaus-Universität Weimar) über das ambivalente Verhältnis von Forschungsethik und Datenvielfalt. Konkret beschrieb er seine ethnografische Arbeit in einem Bestattungsunternehmen, bei der er auch nach großer Datenvielfalt strebte. Knopke betonte die Herausforderungen in seinem speziellen Forschungsfeld und den darin agierenden Menschen, die oft Krisen unterliegen. Die Art und Weise der Datenerhebung sei sensibel, erklärte Knopke und stellte deshalb die Frage, welche Situationen überhaupt Datenerhebungen erlaubten und welche Methoden dabei möglich seien. Insgesamt beschrieb er Forschungsethik als einen Rahmen, der die Datenerhebung einschränken, aber auch eröffnen könne.

Den Auftakt für das dritte Panel, das sich mit den Herausforderungen bei trans- und interkulturellen Forschungsprojekten widmete, machte Thomas Herdin (Universität Salzburg). Sein Vortrag behandelte die Forschung im Fernen Osten und zeigte Herausforderungen bezüglich Datengewinnung, Datenanalyse und Datenqualität auf. Herdin bezog sich auf ein mehrjähriges Forschungsprojekt, das sich mit inter- und transkulturellen Themen in China auseinandersetzte und qualitative mit quantitativen Methoden kombinierte. Dabei hob er die Signifikanz des Settings hervor und beschrieb, wie Habitus und persönliche Eigenarten sich je nach Ort und Gruppenkonstellationen ändern können. Außerdem ging er auf die Bedeutung der Selbstreflexion aufseiten der Forschenden im Prozess der Datenerhebung ein. Im Anschluss daran sprach Birgit Breninger (Universität Salzburg) in einem Vortrag, der in Zusammenarbeit mit Thomas Kaltenbacher (ebenfalls Universität Salzburg) entstanden war, über die Wahrnehmung und Messbar-Machung von interkultureller Kompetenz: „Tracking the cultural gaze: Assessing intercultural competence with visual data“. Die vorgestellte Studie nutzte Verfahren wie Eye-Tracking und Fragebögen und verband diese Daten, um ein komplexes Abbild der interkulturellen Kompetenzen zu erstellen und Unterschiede aufzuzeigen zwischen tatsächlicher interkultureller Kompetenz und Phänomenen wie sozialer Erwünschtheit. Anschließend sprach Vivien Sommer (Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung) zum Thema „Wissen und Praktiken im deutsch-polnischen Grenzraum: Methodologisch-methodische Herausforderungen eines multimethodischen Forschungsdesigns“. Sie stellte dabei das Projekt „De-Re-Bord“ vor, das sozialräumliche Transformationsprozesse untersucht und für dessen Datenerhebung eine Vielzahl von Erhebungsmethoden eingesetzt wurde: Interviews, teilnehmende Beobachtungen, Fotografien und App-basierte Tagebücher. Mit Blick auf die Herausforderung im Forschungsalltag fokussierte Sommer auf die Integration der verschiedenen Modi von Daten, insbesondere auf die Verbindung verbaler und visueller Daten, und schlug eine Triangulation der Social Semiotics mit Verfahren der Grounded Theory vor.

Der zweite Tag der Netzwerk-Tagung begann mit Paula Bialski (Leuphana Universität Lüneburg) und der Keynote „Ethnography among data brokers: Methods and challenges“. Darin stellte Bialski ihre ethnografische Arbeit in einem Berliner Software-Unternehmen vor. Sie konnte Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelten von Developern erlangen und plädierte insofern eindringlich für die Bedeutsamkeit impliziter Daten.

Das folgende Panel, das die Bereiche Dateninfrastruktur und Sekundäranalysen verband, wurde von Andreas Scheu (Universität Münster) eröffnet. In seinem in Zusammenarbeit mit Jakob Jünger (Universität Greifswald) entstandenen Vortrag referierte Scheu zu den Potenzialen und Limitationen automatisierter Transkription in der qualitativen Forschung und veranschaulichte, welche automatisierten Systeme für Transkriptionen momentan verfügbar sind und welche Vor- und Nachteile ihre Nutzung mit sich bringt. Dazu präsentierte er ein Projekt, das die Ergebnisse von Transkripten unterschiedlichen Audiomaterials in verschiedenen Qualitäten von automatisierten und manuellen Transkriptionsverfahren vorstellte und verglich. Automatisierte Transkription sei immer noch ein Pionierfeld, werde aber immer besser, so das Fazit. Über „Archivierung und Datenaufbereitung als kooperative Aufgabe von Forscher*innen und Forschungsdateninfrastrukturen“ sprach im Anschluss Kati Mozygemba (Universität Bremen), die diesen Vortrag gemeinsam mit ihrer Bremer Kollegin Susanne Kretzer vorbereitet hatte. Mozygemba stelle das DFG-geförderte Datenservicezentrum Qualiservice vor, schilderte detailliert die Möglichkeiten für Forschung und Archivierung, ging dabei explizit auch auf die Nutzbarmachung von Daten für Sekundärstudien ein und erläuterte den Ablauf der Zusammenarbeit mit Qualiservice für Forschungsprojekte. Auch René Wilke (Technische Universität Berlin) präsentierte in der Folge ein System zur Archivierung von Daten. Mit seinem Vortrag zu „Forschungsdateninfrastrukturen für audiovisuelle Daten der qualitativen Sozialforschung – Bedarf und Anforderungen“ bot er Einblicke in aviDa, ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt zur Erschaffung einer Infrastruktur für das Management audiovisueller Daten. Auch Wilke betonte, die Sekundärnutzung von Daten sei hinsichtlich vieler Aspekte aktueller Forschung wichtig. Die Speicherung und der Zugang müssten lediglich an die Bedürfnisse der Forschenden angepasst werden. Danach widmete sich Caroline Richter (Universität Duisburg-Essen/Ruhr-Universität Bochum) dem Thema Sekundäranalysen mit einem anderen Fokus. In ihrem Vortrag zu „Datenvielfalt und qualitative Sekundäranalysen: Perspektiven aus Forschung und Lehre“ legte sie ein Augenmerk auf die Herausforderungen, die datenschutzrechtlich und ethisch mit Sekundäranalysen einhergehen können. Richter war an der Erstellung des „Bochumer Anonymisierungsmodells“ beteiligt und entwarf unter anderem ein Forschungsmodul, um Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern den Umgang mit Risiken im Datenschutz zu vereinfachen.

Das abschließende Panel zu innovativen Verfahren und methodischen Weiterentwicklungen startete mit Gerrit Hummel (Universität Hohenheim), der über die „Qualitative Comparative Analysis (QCA) als Instrument zur Triangulation qualitativer und quantitativer Daten“ sprach. Hummel nahm Bezug auf ein Forschungsprojekt zur Repräsentation obdachloser Menschen in Straßenzeitungen und stellte die QCA als eine Möglichkeit zur Verbindung von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden vor. Im nächsten Beitrag gingen Christian Schwarzenegger, Anna Wagner und Peter Gentzel (Universität Augsburg) der Frage nach, wie mit der Vielfalt von Alltagsdaten kreativ umgegangen werden könne. Dabei gingen sie kritisch auf Medientagebücher ein und beschrieben deren Möglichkeiten und Limitationen, wenn sie in der Medien- und Kommunikationsforschung zum Einsatz kommen. Konkret legten Schwarzenegger, Wagner und Gentzel „Real life inspired media diaries“ als multimodale Verbindung von „echten“ und Medien-Tagebüchern dar und erörterten ihren Einsatz beispielhaft anhand einer Studie. Anschließend stellten Verena Keysers und Jo Reichertz (Universitätsallianz Ruhr) mit der Multimodalen Trajectory Analyse (MTA) eine Methode zur Analyse komplexer multizentrischer Kommunikationsprozesse vor. Sie bezogen sich dabei ebenfalls auf ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt, das anhand von Beobachtungen, Interview- und Videomaterial untersucht, wie Gewaltprozesse im Kontext mit Fußballspielen entstehen und eskalieren. Die Methode der MTA erlaubte es ihnen hier, multizentrisch, multimodal und interdependent ablaufende Prozesse als Forschungsteam systematisch zu untersuchen. Im letzten Vortrag sprach Julian Windscheid (Technische Universität Ilmenau) über die „Komplexität von 360°-Aufzeichnungen in der qualitativen Sozialforschung“. Windscheid ging dabei auf die 360°-Videografie als Teil des Forschungsequipments ein und beleuchtete ihre Eigenschaften sowie ihre Vor- und Nachteile im Vergleich zur herkömmlichen Kamera.

Die Vielfalt von Themen und Teilnehmenden aus verschiedenen Disziplinen an der 2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden in Salzburg machten nicht nur deutlich, dass Datenvielfalt ein omnipräsentes Phänomen ist. Ersichtlich wurde auch, dass Datenvielfalt  ein Thema ist, das qualitative Forschung nicht aus den Augen lassen sollte. Die Vortragenden und die anschließenden Diskussionen offenbarten gleichermaßen Chancen und Herausforderungen und boten vielfache Vorschläge für die Bewältigung und Integration in die eigene Forschung.

Verfasserin: Lisa Schulze (Universität Salzburg)

2. Tagung des Netzwerks in Salzburg

Datenvielfalt: Potenziale und Herausforderungen

2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden, 24. bis 26. April 2019, Salzburg

mit Unterstützung der Universität Salzburg

Zur Ansicht und zum Download des Call for Papers (PDF)
Zur Anmeldung

Programm


Mittwoch, 24. April 2019

19:00       Get-together

Restaurant Stieglkeller, Festungsgasse 10 (in der Salzburger Altstadt, Google Maps)


Donnerstag, 25. April 2019

Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, Rudolfskai 42 (Google Maps), HS 386

09:00       Anmeldung und Kaffee

09:25       Begrüßung

Christine Lohmeier (Universität Salzburg), Thomas Wiedemann (LMU München)

09:30       Keynote 1

Datenvielfalt in der qualitativen Multimethoden-Forschung: Überlegungen zur Integration verbaler, visueller und mehrsprachiger Daten
Katharina Lobinger (USI Università della Svizzera italiana)

10:45       Kaffeepause

11:00       Panel 1: Datenvielfalt aus theoretischer und historischer Perspektive

Moderation: Christian Schwarzenegger (Universität Augsburg)

Daten- und Methodenvielfalt in der kommunikationswissenschaftlichen Diskursanalyse – Umgang und Operationalisierung am Beispiel Mutterdiskurs
Natalie Berner, Michael Meyen (LMU München)

Vielfalt der Daten, Einheit der Grundlagen
Burkard Michel, Max Ruppert (Hochschule der Medien Stuttgart)

Das social network als empirischer Wirklichkeitsausschnitt für die qualitative Sozialforschung: Plädoyer für eine stärkere Interpretationsleistung und einen Theoriebezug bei der Auswertung von Big Data
Lisa Schwaiger (Universität Zürich)

Daten- und Quellenvielfalt in komplexen kommunikationshistorischen Forschungskontexten
Erik Koenen (Universität Bremen)

12:30       Mittagspause

In der Nähe des Tagungsorts befinden sich etliche Restaurants, Cafés, Imbissstände etc.

14:00       Panel 2: Umgang mit heterogenem Forschungsmaterial und Quellenreflexion

Moderation: Vivien Sommer (Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung)

Vielfalt von Daten in der Konstruktion von Erinnerung = Vielfalt von Daten im Forschungsprozess? Überlegungen aus einer Studie zu (medien-)vermittelten Erinnerungen an Migrationsgeschichten in Familien
Rieke Böhling (Universität Bremen)

Datentriangulation ja, aber wie? Zu den Herausforderungen vielfältiger Datenbestände am Beispiel einer Studie zu Recherchestrategien Jugendlicher
Christina Ortner, Vera Eberdorfer, Marie Kaltenegger (Fachhochschule Oberösterreich)

Zur Kombination von Daten und dem Vorgehen bei der „Inbezugsetzung“ von Generationen in der qualitativen intergenerationalen (Armuts-)Forschung
Janina Zölch (Universität Hamburg)

Einschränkend oder eröffnend? Zum ambivalenten Verhältnis von Forschungsethik und Datenvielfalt am Beispiel einer Bestattungsethnografie
Ekkehard Knopke (Bauhaus-Universität Weimar)

15:30       Kaffeepause

15:45       Panel 3: Herausforderungen trans- und interkultureller Forschungsprojekte

Moderation: Peter Gentzel (Universität Augsburg)

Forschung im Fernen Osten: Herausforderungen bezüglich Datengewinnung, Datenanalyse und Datenqualität
Thomas Herdin (Universität Salzburg)

Tracking the cultural gaze: Assessing intercultural competence with visual data
Birgit Breninger, Thomas Kaltenbacher (Universität Salzburg)

Wissen und Praktiken im deutsch-polnischen Grenzraum: Methodologisch-methodische Herausforderungen eines multimethodischen Forschungsdesigns
Vivien Sommer (Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung)

17:30       Mitgliederversammlung des Netzwerks Qualitative Methoden

Bibliotheksaula der Universität Salzburg, Hofstallgasse 2 (Google Maps)

18:30       Büfett


Freitag, 26. April 2019

Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, Rudolfskai 42, HS 386

09:00       Keynote 2

Ethnography among data brokers: Methods and challenges
Paula Bialski (Universität Lüneburg)

10:15       Kaffeepause

10:30       Panel 4: Dateninfrastruktur und Sekundäranalysen

Moderation: Rieke Böhling (Universität Bremen)

Potenziale und Limitationen automatisierter Transkription in der qualitativen Forschung
Andreas Scheu (Universität Münster), Jakob Jünger (Universität Greifswald)

Archivierung und Datenaufbereitung als kooperative Aufgabe von Forscher*innen und Forschungsdateninfrastrukturen
Susanne Kretzer, Kati Mozygemba (Universität Bremen)

Forschungsdateninfrastrukturen für audiovisuelle Daten der qualitativen Sozialforschung – Bedarf und Anforderungen
René Wilke (Technische Universität Berlin)

Datenvielfalt und qualitative Sekundäranalysen: Perspektiven aus Forschung und Lehre
Caroline Richter (Universität Duisburg-Essen/Ruhr-Universität Bochum)

12:00       Kaffeepause mit kleinen Snacks

12:30       Panel 5: Innovative Verfahren und methodische Weiterentwicklung

Moderation: Burkard Michel (Hochschule der Medien Stuttgart)

Die Qualitative Comparative Analysis (QCA) als Instrument zur Triangulation qualitativer und quantitativer Daten
Gerrit Hummel (Universität Hohenheim)

Die Vielfalt des Alltags in Daten fassen – „Real life inspired media diaries“ als methodische Weiterentwicklung und analytische Herausforderung
Christian Schwarzenegger, Anna Wagner, Peter Gentzel (Universität Augsburg)

Multimodale Trajectory Analyse (MTA): Eine Methode zur Analyse von komplexen multizentrischen Kommunikationsprozessen
Verena Keysers, Jo Reichertz (Universitätsallianz Ruhr)

Die Komplexität von 360°-Aufzeichnungen in der qualitativen Sozialforschung
Julian Windscheid (Technische Universität Ilmenau)

14:00       Tagungsende


Das Gebäude des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft, Rudolfskai 42, erreichen Sie am besten mit den Buslinien 3, 5 oder 6 vom Hauptbahnhof aus, vom Salzburg Airport aus mit der Linie 10 (Haltestelle jeweils „Mozartsteg“). Das Restaurant Stieglkeller (Get-together am 24. April) und die Bibliotheksaula (gemeinsames Abendessen am 25. April) sind von dort in ein paar Minuten fußläufig zu erreichen (Adressen und Kartenansicht: siehe oben).

Anmeldung

Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro (für Doktoranden) und 40 Euro (für Postdocs mit einer vollen Stelle sowie Professoren) und wird vor Ort kassiert. Aus Planungsgründen wird um eine verbindliche Anmeldung bis Montag, 1. April 2019, gebeten. Nutzen Sie dafür das folgende Formular und geben Sie bitte nach Möglichkeit auch an, ob Sie am Get-together und am gemeinsamen Abendessen tags darauf teilnehmen möchten.

Veranstalter und Kontakt

Netzwerk Qualitative Methoden
Dr. Thomas Wiedemann, Prof. Dr. Christine Lohmeier
E-Mail: netzwerk.qm@gmail.com
Web: https://netzwerkqualitativemethoden.wordpress.com/

2. Netzwerk-Tagung 2019: Call for Abstracts

Datenvielfalt: Potenziale und Herausforderungen

2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden

25. und 26. April 2019, Universität Salzburg

Zur Ansicht und zum Download des Call for Papers als PDF-Datei

 

Thema und Ziele

In vielen Forschungsprojekten werden unterschiedlichste Daten gesammelt und analysiert. Auch für qualitativ angelegte Studien birgt Datenvielfalt zahlreiche Potenziale: Sie ermöglicht einen nuancierten Blick auf den Forschungsgegenstand und Triangulation. Datenvielfalt kann neue Perspektiven eröffnen, Fragestellungen erweitern und Forschungsergebnisse aufwerten. Gerade in Hinblick auf interdisziplinär angelegte Projekte wird Datenvielfalt als eine Dimension angesehen, die das Forschungsprojekt bereichert. Trotz dieser Potenziale stellt Datenvielfalt jedoch auch eine Herausforderung dar, der viele Forscher*innen oft lieber aus dem Weg gehen. Denn wie soll das Material in seiner Vielfältigkeit systematisch erhoben, gespeichert und archiviert, transparent analysiert sowie intersubjektiv nachvollziehbar aufbereitet werden? Datenvielfalt erfordert jedenfalls einen differenzierten, vielleicht auch kreativen und innovativen Umgang statt eine ‚one-size-fits-all‘-Herangehensweise. Die Potenziale und Herausforderungen von Datenvielfalt – auch hinsichtlich Handwerkszeug und Qualitätskriterien – wollen wir auf dieser Tagung gemeinsam diskutieren.

Willkommen sind Beiträge zu folgenden und darüber hinausreichenden Themenbereichen:

  • Sammeln und Speichern unterschiedlichster Forschungsdaten in qualitativen Untersuchungsdesigns
  • Kombination von Daten und (Methoden-)Triangulation
  • Analyse von sich stark unterscheidendem Datenmaterial
  • Umgang mit Datenfülle und großen Datenmengen
  • Operationalisierungen bei Projekten mit hoher Quellenvielfalt
  • Beispiele für den erfolgreichen (oder auch nicht erfolgreichen) Umgang mit Datenvielfalt
  • Aufbereitung und Wiederverwendung unterschiedlicher Daten
  • Umgang mit Forschungsfragen und Datensammlungen
  • Langzeit-Archivierung und öffentliche Bereitstellung gesammelter Daten
  • Beispiele für interdisziplinäre Forschung und Daten- bzw. Methodenvielfalt
  • Ethische Überlegungen und rechtliche Bedingungen
  • Umgang mit analogen und digitalen Daten bzw. Überführung analoger Datensätze

Einreichungsmodalitäten

Einreichungen für Präsentationen können bis 31. Oktober 2018 per E-Mail an netzwerk.qm@gmail.com geschickt werden. Sie sollten ein Titelblatt mit allen Angaben zu den Autoren sowie ein anonymisiertes Extended Abstract (maximal 500 Wörter exklusive Titelblatt und Literaturangaben) enthalten. Für die Auswahl der Präsentationen gelten die üblichen Kriterien: Bezug zum Tagungsthema, Qualität der theoretischen und methodischen Fundierung, Relevanz, Klarheit und Prägnanz der Darstellung.

Organisatorische Hinweise

Die Tagung beginnt am Mittwoch, 24. April 2019, abends mit einem Get-Together und endet am Freitag, 26. April 2019, nachmittags. Weitere Informationen zum genauen Programmablauf, zur Anmeldung sowie zu Unterkunfts- und Anreisemöglichkeiten werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Zeitplan

31. Oktober 2018: Einreichungsschluss der Abstracts
15. Dezember 2018: Ende des Review-Verfahrens, Benachrichtigung der Autoren
31. Januar 2019: Veröffentlichung des endgültigen Tagungsprogramms
24. bis 26. April 2019: Tagung

Veranstalter und Kontakt

Netzwerk Qualitative Methoden
Dr. Thomas Wiedemann, Prof. Dr. Christine Lohmeier
E-Mail: netzwerk.qm@gmail.com
Web: https://netzwerkqualitativemethoden.wordpress.com/

Veranstaltungsort

Fachbereich Kommunikationswissenschaft
Universität Salzburg
Rudolfskai 42
5020 Salzburg
Österreich

1. Tagung des Netzwerks

Die 1. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden zum Thema „Diskursanalyse in der Kommunikationswissenschaft und Medienforschung – Theorie, Vorgehen, Befunde“ fand vom 27. bis zum 29. April 2017 an der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei über 40 Tagungsteilnehmern bedanken und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

Ein Tagungs-Bericht ist 2017 in der Zeitschrift für Diskursforschung erschienen:

Christine Lohmeier, Thomas Wiedemann (2017): Diskursanalyse in der Kommunikationswissenschaft und Medienforschung – Theorie, Vorgehen, Befunde. Bericht zur ersten Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden im April 2017 in München. In: Zeitschrift für Diskursforschung, 5. Jg., H. 3, S. 327-330.

Zum Tagungsprogramm und zum Call for Papers


Fotos: Kerem Schamberger

1. Tagung des Netzwerks in München

Diskursanalyse in der Kommunikationswissenschaft und Medienforschung – Theorie, Vorgehen, Befunde

1. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden, 27. bis 29. April 2017, München

mit Unterstützung des Vereins zur Förderung von Forschung und Lehre am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (VFKW e.V.)

Zur Ansicht und zum Download des Programm-Folders (PDF)
Zur Ansicht und zum Download des Call for Papers (PDF)
Zur Anmeldung

Programm


Donnerstag, 27. April 2017

19:00       Get-together

Cadu (Cafe an der Uni), Ludwigstr. 24, 80539 München (Google Maps)


Freitag, 28. April 2017

Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München (Google Maps), Raum: DZ007

09:00       Anmeldung und Kaffee

09:25       Begrüßung

Thomas Wiedemann (LMU München), Christine Lohmeier (Universität Bremen)

09:30       Keynote 1

Vielstimmigkeit, Visualität, Materialität. Aktuelle Herausforderungen an die (wissenssoziologische) Diskursforschung
Reiner Keller (Universität Augsburg)

10:45       Kaffeepause

11:00       Panel 1: Erkenntnistheoretische und methodologische Grundlagen

Moderation: Andreas Scheu (WWU Münster)

Diskursmuster – Diskurspraktiken. Makro- und Mikro-Perspektiven für die kommunikationswissenschaftliche Diskursanalyse
Christian Pentzold (Universität Bremen)

Qualitative Inhaltsanalyse und Diskursanalyse. (Wie und was) können beide Verfahren voneinander lernen?
Stefanie Averbeck-Lietz (Universität Bremen)

Von der Diskurs- zur Dispositivanalyse. Möglichkeiten und Herausforderungen für die Kommunikationswissenschaft
Susanne Kirchhoff (Universität Salzburg)

12:30       Mittagspause

Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München (Google Maps), Raum: M210

14:00       Panel 2: Analyse von Onlinediskursen

Moderation: Stefanie Averbeck-Lietz (Universität Bremen)

Zur kommunikationswissenschaftlichen Analyse von Onlinediskursen. Wie Diskursanalyse für theoretische Konzeption und methodische Verfahren nutzbar machen?
Saskia Sell (FU Berlin), Christine Linke (Universität Rostock)

Typisch Twitter? Ein qualitatives Analyseraster für Online-Diskurse am Beispiel #verafake
Peter Gentzel, Jeffrey Wimmer (Universität Augsburg)

„Fleischlose Ernährung“ als Subjektivierungsdiskurs. Ein Work in Progress-Bericht über die öffentlich-mediale Konstruktion von Ernährungsformen
Verena Fingerling (Universität Gießen)

15:30       Kaffeepause

15:45       Panel 3: Diskursanalyse multimodal

Moderation: Jeffrey Wimmer (Universität Augsburg)

Ausgrenzung in den Medien. Die Kritische Diskursanalyse nach dem Duisburger Ansatz bezogen auf Texte, Bilder und audiovisuelles Material und dargestellt an einer diskursanalytischen Studie zum medialen Einwanderungsdiskurs
Iris Tonks (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung)

Migration als Masseneinwanderung. Sozialräumliche Diskurse in Wahlplakaten
Jeannine Wintzer (Universität Bern)

Diskursanalyse im Museum – zwischen Institutionenanalyse und Untersuchung der Multimodalität von Ausstellungen
Lisa Spanka (Universität Bremen)

Die dunkle Stimme. Eine Methode zur Analyse des ethisch-konstruktivistischen Diskurses zwischen „Gut“ und „Böse“ aus der Perspektive des klassischen medialen Antagonisten
Reto Schölly (Freiburg)

17:30       Mitgliederversammlung des Netzwerks Qualitative Methoden

19:00       Abendessen

Alter Simpl, Türkenstr. 57, 80799 München (Google Maps)


Samstag, 29. April 2017

Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München (Google Maps), Raum: M210

09:30       Keynote 2

Wie kritisch ist die Kritische Diskursanalyse?
Margarete Jäger (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung)

10:45       Kaffeepause

11:00       Panel 4: Diskurse in einer globalen Welt

Moderation: Maria Löblich (FU Berlin)

Die Welt durch die Brille globaler 24h-TV-Nachrichtensender
Maria Karidi (EUI Florenz), Michael Meyen (LMU München)

Diskursive Konstruktionen europäischer Identität
Julia Lönnendonker (TU Dortmund)

Was teilt die nationalistische Rechte mit dem medialen Mainstream? Eine (inter-)diskursanalytische Untersuchung der Globalisierungsdebatte
Holger Oppenhäuser (Marburg)

Diskursanalyse als qualitative Inhaltsanalyse am Beispiel Pegida
Corinna Lüthje (Universität Rostock)

12:45       Tagungsende


Das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität erreichen Sie am besten mit der U-Bahn (Linie U3/U6, Haltestelle „Universität“). Vom Hauptbahnhof zur Universität gibt es zudem eine umsteigefreie Verbindung mit der Buslinie 150 (Abfahrt ab Haltestelle „Hauptbahnhof Nord“, 10 Minuten Fahrtzeit, 10-Minuten-Takt). Das Cadu (Get-together am 27. April) und der Alte Simpl (gemeinsames Abendessen am 28. April) sind von dort ebenfalls fußläufig zu erreichen (Adressen und Kartenansicht: siehe oben).

Anmeldung

Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro (für Doktoranden) und 40 Euro (für Postdocs mit einer vollen Stelle sowie Professoren) und wird vor Ort kassiert. Aus Planungsgründen wird um eine verbindliche Anmeldung bis Montag, 10. April 2017, gebeten. Nutzen Sie dafür das folgende Formular und geben Sie bitte nach Möglichkeit auch an, ob Sie am Get-together und am gemeinsamen Abendessen teilnehmen möchten.

Veranstalter und Kontakt

Netzwerk Qualitative Methoden
Dr. Thomas Wiedemann, Prof. Dr. Christine Lohmeier
E-Mail: netzwerk.qm@gmail.com
Web: https://netzwerkqualitativemethoden.wordpress.com/

Call for Papers

Diskursanalyse in der Kommunikationswissenschaft und Medienforschung – Theorie, Vorgehen, Befunde

1. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden

27. bis 29. April 2017, München

Zur Ansicht und zum Download des Call for Papers als PDF-Datei

 

Thema und Ziele

Die Methode der Diskursanalyse zählt in manchen Fachtraditionen zum Mainstream, während sie in anderen kaum Anwendung findet. Der wohl prominenteste Begründer dieses theoretischen und methodischen Forschungsprogramms, der französische Soziologie Michel Foucault, nahm mit einem konstruktivistischen Welt- und Gesellschaftsbild die Wechselspiele zwischen Macht und Wissen ins Visier und fragte nach den gesellschaftlichen Prozessen der Konstitution von Bedeutung und Sinn. Konkret ging er davon aus, dass das menschliche Denken und Handeln auf einem sozial konstruierten und in unterschiedlichem Maße legitimierten Weltwissen beruht, über das in Diskursen entschieden wird, welche – einem zwingenden Gedankensystem gleich – die Wirklichkeit erst erzeugen. Foucaults kritische Ethnologie der eigenen Kultur zielte darauf ab, dem Regime des Sagbaren (Diskurse) sowie dessen weltlichen Konsequenzen (Dispositive) über jedwede Form von Texten oder Aussagen nachzuspüren, was sie zweifelsohne für die qualitative Analyse von Medieninhalten bzw. von medialen Wirklichkeitskonstruktionen an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Geisteswissenschaften interessant macht. Folgerichtig nehmen auch die meisten Weiter- bzw. Parallelentwicklungen dieses Ansatzes aus unterschiedlicher Perspektive auf Untersuchungsgegenstände der Kommunikations- und Medienwissenschaft Bezug – als wissenssoziologische Forschungsagenda, als kritische und damit normative Mediendiskursanalyse oder etwa als (sozio-)linguistische Diskursforschung.

Die Ziele der Tagung sind damit umrissen: Ausgehend von der Annahme, dass die Diskursanalyse trotz oder gerade aufgrund ihrer disziplinübergreifenden Verankerung eine Bereicherung für die qualitative Medienforschung darstellt, soll diskutiert werden, inwiefern dieses Forschungsprogramm für die (machtorientierte) Analyse von Medieninhalten sowie von massenmedialen Wirklichkeitskonstruktionen (einschließlich der Bedingungen ihres Zustandekommens und ihrer Folgen) fruchtbar gemacht werden kann. Eingelöst werden sollen damit zugleich die Ansprüche des Netzwerks Qualitative Methoden, das Wissen und den Austausch in der qualitativen Medienforschung zu fördern und voranzutreiben.

Mögliche Schwerpunkte

Gemäß dem Selbstverständnis des Netzwerks Qualitative Methoden sind Beiträge sowohl aus der Kommunikationswissenschaft als auch aus den Nachbardisziplinen eingeladen, die 1) die Diskursanalyse als Erkenntnisinstrument einer qualitativen Medienforschung theoretisch einordnen und reflektieren, die 2) den Einsatz der Diskursanalyse in der Forschungspraxis methodisch veranschaulichen und diskutieren oder die 3) aktuelle Forschungsergebnisse vorstellen, welche mithilfe eines diskursanalytischen Verfahrens erzielt worden sind:

  • Erwünscht sind erstens Beiträge, die nach den erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen der Diskursanalyse fragen und das Potenzial der verschiedenen diskursanalytischen Perspektiven und Forschungstraditionen für die Erforschung von massenmedialen Inhalten oder Prozessen öffentlicher Kommunikation herausarbeiten. Selbstverständlich kann dies auch in Form von Metastudien oder vergleichenden Arbeiten erfolgen.
  • Willkommen sind zweitens Beiträge, die das methodische Vorgehen der Diskursanalyse in den Mittelpunkt rücken und an einem exemplarischen Fall die Stärken und Schwächen dieses Verfahrens systematisch für jeden Untersuchungsschritt von der Fragestellung bis zur Auswertung erörtern. Die dabei vorgestellten Herangehensweisen dürfen natürlich je nach Forschungshintergrund oder Fachtradition die gesamte Bandbreite qualitativer Zugriffe (von offenen induktiven Vorgehensweisen über kategoriengeleitete Analyseverfahren bis hin zu standardisierten Auswertungsstrategien) abbilden. Ebenso von Interesse ist die Frage nach der Anwendung der Diskursanalyse bezogen auf unterschiedliche Untersuchungsgegenstände oder unterschiedliches Datenmaterial (Texte, Bilder, audiovisuelles Material etc.).
  • Relevant sind drittens Beiträge, die eigene diskursanalytische Studien vorstellen und auf diesem Weg zeigen, was bei einer solchen Herangehensweise zur Untersuchung von Medieninhalten bzw. Prozessen öffentlicher Kommunikation herauskommen kann – umso mehr wenn dabei methodisch innovative Wege beschritten werden. Das Spektrum an Präsentationen reicht hier von Einzelfallstudien über vergleichende Arbeiten bis hin zu umfangreichen Analysen mit einer großen Datenmenge.

Einreichungsmodalitäten

Einreichungen für Präsentationen können bis 15. November 2016 per E-Mail an netzwerk.qm@gmail.com geschickt werden. Sie sollten ein Titelblatt mit allen Angaben zu den Autoren sowie ein anonymisiertes Extended Abstract (maximal 500 Wörter exklusive Titelblatt und Literaturangaben) enthalten. Die Einreichungen werden in einem Blind-Review-Verfahren begutachtet. Für die Auswahl der Präsentationen gelten die üblichen Kriterien: Bezug zum Tagungsthema, Qualität der theoretischen und methodischen Fundierung, Relevanz, Klarheit und Prägnanz der Darstellung.

Organisatorische Hinweise

Die Tagung beginnt am Donnerstag, 27. April 2017, abends mit einem Get-Together und endet am Samstag, 29. April 2017, am frühen Nachmittag. Weitere Informationen zum genauen Programmablauf, zur Anmeldung sowie zu Unterkunfts- und Anreisemöglichkeiten werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Zeitplan

15. November 2016: Einreichungsschluss der Abstracts
15. Januar 2017: Ende des Review-Verfahrens, Benachrichtigung der Autoren
31. März 2017: Veröffentlichung des endgültigen Tagungsprogramms
27. bis bis 29. April 2017: Tagung

Veranstalter und Kontakt

Netzwerk Qualitative Methoden
Dr. Thomas Wiedemann, Prof. Dr. Christine Lohmeier
E-Mail: netzwerk.qm@gmail.com
Web: https://netzwerkqualitativemethoden.wordpress.com/

Veranstaltungsort

Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Oettingenstr. 67
80538 München

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑